Tresor Kaufberatung

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Tresorkäufer
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von Tresorkäufer »

Auch ich gebe noch mal meinen Senf dazu.

Wie schon Fripa10 geschrieben hat, wird ein D10 Schrank anders ausgeführt sein als ein VdS3 Schrank.

Wenn wir in die alte Welt zurückblicken, dann waren der C1 und der C2F die direkten Vorläufer von VdS2 und VdS3 im Sinne der Marktpositionierung. D10 und D20 waren im Markt als Vorläufer von VdS4 und VdS5 positioniert. Mit der Umstellung von VDMA auf VdS-Zertifizierung haben sich die Widerstandsbeurteilungen auch geändert. Von WE (Widerstandseinheiten) auf RU (Resitance Unit). Gleichzeitig änderten sich die definierten Zuschreibungen von RU zu WE etwas sowie die erforderlichen RU für die neuen Modelle. Das hat dazu geführt, dass ein D10 heute als VdS3 pauschal anerkannt wird.

Damals wie heute waren die "Sicherheitsreserven" bei den Herstellern unterschiedlich. Um die D10 bzw. VdS3 Zertifizierung zu bekommen, musste / muss ein best. Mindestwiderstand gegen Aufbruchsversuche nachgewiesen werden. Es gab Modelle, die das genau erfüllt haben - es gab aber auch Modelle die die Mindestanforderungen deutlich überschritten haben.

Der Leicher D10 (z.B. in der von Fripa10 angesprochenen Modellgröße 151) war ursprünglich als D10 zertifiziert. Nach der Umstellung der Normen wurde er als VdS4 weitergebaut. Allerdings gibt es nur sehr geringe Stückzahlen mit der neuen VdS4 Zertifizierung. Der Grund liegt im Aufkauf der Firma Leicher durch Gunnebo und der Einstellung dieser sehr hochwertigen Baureihe zu Gunsten eines kostengünstiger zu produzierenden Modells (Trident mit Chubb-Labelung).

Was fripa 10 vergessen hat zu erwähnen ist ein weitere Unterschied zwischen D10 und VdS4. Bei D10 war ein definierter Widerstand gegen Brände enthalten, der in den Anforderungen von VdS4 heute nicht mehr enthalten ist.

VdS4 / D10 unterscheiden sich wie von Fripa angedeutet von VdS3 durch einen anderen Wandaufbau, höherwertig, andere Zuschlagstoffe, Auf jeden Fall Notverriegelungen und durch die Ausstattung mit 2 Schlössern auch eine verbesserte Manipulationssicherheit. Hätte "Ede" es geschafft ein Schloß zu öffnen, so müsste er bei VdS4 bzw. D10 nun noch ein zweites Schloß überlisten.

Orgami Sistec habe ich selber noch nicht "in den Fingern" gehabt und kann ihn daher nicht beurteilen. Den Starprim in VdS4 habe ich mal gesehen - er machte keinen schlechten Eindruck. Ist aber eine modere Leichtbauvariante (Deckentraglasten). Zweifelsohne hat er den VdS4 Test bestanden. Nach meinen extrem negativen Erfahrungen mit Hossbach bin ich aber zu dem Bauprinzip zurück gekehrt "Masse und Wandstärke" ist unschlagbar.

Ich würde in deiner Situation zum Starprim tendieren, mir aber als zugesicherte Eigenschaft zusichernlassen, dass der Arkona tatsächlcih der Starprim ist.

Es gäbe da noch mit Primat die Möglichkeit das zweite Schloss umzurüsten auf ein von Fripa10 erwähntes neues Protector-Schloß. Die Firma Lebtig Schließtechnik baut diese Schlösser wieder. Da sollte diese Anpassung als Option möglich sein.

Bei Fragen bitte gerne wieder melden.

fripa10
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Eine Umrüstung auf ein anderes Schloßsystem bringt die Zertifizierung des Schrankes zum Erlöschen, da immer der Schrank als Gesamtkonstruktion zertifiziert wird. Sobald man da auch nur ein Bauteil modifiziert, wird aus einem VdS-Schrank ein Schrank nach VDMA Klasse B, versicherungstechnisch geeignet zur Verwahrung von maximal 5.000 € Bargeld.

Ein Lafettensystem nachträglich in irgendeinen anderen Schrank einzubauen erfordert schon erhebliche Eingriffe, auch in die Panzerung. Dann braucht man auch noch eine Lafette, die ganz genau zur Türstärke paßt und selbst wenn all diese technischen Hürden überwunden wären, hat der Schrank noch immer kein Riegelwerk, das eine Verriegelung der eingeschobenen Lafette durch das ZKS vornimmt.

Da der Threadersteller selbst in Betracht gezogen hat, mit einem aufgearbeiteten (neuen) Schrank leben zu können, würde ich in solch einem Fall dann doch gleich Nägel mit Köpfen machen und mir einen 25 bis 30 Jahre alten guten Markentresor einer Firma wie Stacke, Garny, Leicher o. ä. suchen und den bei Bedarf aufarbeiten lassen. Was man dann erhält, ist in keinem Fall schlechter als ein neuer Schrank, meist sogar besser.

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distiller
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von distiller »

1.Der Händler nennt beim Arkona die Firma Primat als Hersteller, nennt diesen aber abweichend vom Hersteller nicht Starprim.
Sind aus deiner Erfahrung also keine baulichen Abweichungen zu dem Modell mit dem du positive Erfahrungen gemacht hast zu erwarten?

Nein, ich würde es wie meine Vorredner machen und den Händler fragen. Abweichungen erwarte ich nicht. Die EGF macht z.B. schwarze statt silberne Beschläge dran, aber konstruktiv vermute ich da keine Abweichungen

2. Die vds 4 Variante hätte den "Nachteil" der für unsere Zwecke unnötigen zwei Schlösser. Ist die Vds 4 Variante deiner Erfahrung nach der Material- bzw Verabeitungsanmutung des vds3 Schrankes überlegen?
wie meine Vorredner schrieben, sind die Schlösser vorgeschrieben. Der Einbruchschutz ist besser, ich meine, dass es dann z.B. eine Manganstahlabdeckung der Schlösser im Riegelwerksbereich gibt und eine Glasplatte mit Notverriegelung.

3. Siehst du Orgami Sitek als qualitativ ebenbürtig zum Hersteller Primat an?
Ich denke, die sind gleich, habe es aber noch nicht direkt gesehen.

@Tresorkäufer, danke mal wieder für die Ausführungen. In der Bucht ist mMn. gerade so ein VdS-IV-Leicher drin. Man sieht schon etwas, dass gespart wurde.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von Tresorkäufer »

@distiller:
habe auf Deine Bemerkung hin die Leicher D10 von 1991 gesehen (sind genauer 2 Stück). Gebrauchsspuren. Was besonders auffällt sind die Schloßumbauten. Das Elektronikschloß ist kein hochwertiges Leicher Safelock, was eigentlich vom Werk verbaut wurde.

Die damalige Baureihe hatte generell nicht mehr die bündige Türe der klassischen Bauart - was durchaus der Fertigungsvereinfachung geschuldet war. Aber dennoch war die Bauausführung hochwertig. Siehst Du Dir den Chubb Trident an, der im Konzern defacto der Nachfolger wurde trauerst Du dem original Leicher hinterher.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Das aufschlagende Türblatt soll vor allem im Inneren des Tresors ein Mehr an Platz schaffen, und das tut es ja auch. Ich kann dieser Baureihe nur eine sehr hohe Qualität bescheinigen, auch wenn ich allein aus optischen Gesichtspunkten auch mehr ein Freund bündiger Tür bin. Dieses kostet aber nun mal Nutztiefe und die Tür läßt sich auch nicht um 180° öffnen, was bei dem dicken Türaufbau auch die Zugänglichkeit sehr beeinträchtigt.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von distiller »

es ist noch einer als VdSIV aber unter falschem Label "Garny" drin :) Das wäre genau der, den Ihr besprochen habt. Sparmaßnahmen waren u.A. die fehlende Lafette.

fripa10
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Ach so einen meinst Du, ja solche mit 3 km langen Schlüsseln und Schlössern von MAUER statt des Kromer Protector gab es ganz zum Schluß, als schon Gunneklo das Sagen hatte.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von Gegenzuhaltung »

fripa10 hat geschrieben:[...] und die Tür läßt sich auch nicht um 180° öffnen [...]
Das ist lediglich bei innenliegenden Bändern der Fall.

fripa10
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Tresorkäufer hat geschrieben:Das Elektronikschloß ist kein hochwertiges Leicher Safelock, was eigentlich vom Werk verbaut wurde.
Das vermeintliche Leicher Safe Lock ist in Wirklichkeit das Gunnebo Safe Lock C-2-1R, das bei Verwendung in Leicher Schränken nur mit Leicher gelabelt wurde.

Zweitens entfielen bei Verwendung eines solchen Schlosses ab Werk in der Regel sowohl das mechanische ZKS wie auch das Schlüsselschloß. Das 4-Augen-Prinzip kann nämlich über das Safe Lock realisiert werden (Eingabe von zwei verschiedenen Kombinationen, um zu öffnen).

Drittens ist das bei eBay zu sehende Leicher Varitron ein Zeitschloß, es dient nicht der Öffnung des Tresors, sondern es sorgt dafür, daß man den Tresor beispielsweise nachts oder an Wochenenden nicht öffnen kann, und das selbst dann nicht, wenn man am Safe Lock die korrekte(n) Kombination(en) eingibt. Es ist also nur ein zusätzliches Sicherheitsfeature, das vor allem im Bankbereich eingesetzt wird. Ein privater Erwerber eines solchen Schrankes wird wohl den Schrank meist ohne bestimmte Zeitfenster nutzen und allein auf die ja vorhandenen normalen Verschlußsysteme (mechanisches ZKS + Protector-Lafettenschloß) zurückgreifen.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Leicher hat bei den Panzergeldschränken auch bei der Vorgängergeneration schon nicht mit bündigen Türen gearbeitet, wie das Foto zeigt. Diese alten Schränke gefallen mir noch besser, sind aber mit ihrem sehr hohen Gewicht privat eher nicht geeignet (der auf dem Foto wiegt 1,4 Tonnen).

Gut zu erkennen ist die vergleichsweise sehr geringe Nutztiefe, nur die Tiefe des Innenregals kann man nutzen.
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