Tresor Kaufberatung

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butzow
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Tresor Kaufberatung

Beitrag von butzow »

Sehr geehrter Koska-Community-Mitglieder,

interessiert habe ich bereits viele Beiträge verfolgt und möchte mich nun in eigener Sache an euch wenden und um euren Rat ersuchen:

Zunächst vorweg:
Ich habe bei einem Tresorhändler in Hamburg einen VDS III Tresor der Marke Format gekauft (Modell Rubin pro 5) und stellte bei dessen Anlieferung einen Abplatzer sowie einen Kratzer mit leichter Rostbildung an dessen Unterkante und hinter einem der Türscharniere fest.
Bei genauerem Hinsehen bemerkte ich weiterhin, dass die Tresortür an der linken vertikalen Seite ein nach unten zunehmendes Spaltmaß aufwies. Ich ermittelte dies mit der Reide des Tresorschlüssels, die sich im oberen Bereich zwischen Korpus und Tür nicht, im unteren Bereich jedoch gänzlich einschieben ließ.
Darüber hinaus ließ sich die abgeschlossene Tür trotz aufpreispflichtiger Feuerschutzdichtung um die 3,5-4mm vor und zurückbewegen.
Als wir den Händler damit konfrontierten, schlug dieser nach Rücksprache mit dem Hersteller ein Ausbessern mit Farbe und das Anbringen eines Silikonpads zum Ausgleichen des Türspiels vor.
Nach erfolgloser Nachbesserung bot der Hersteller laut Händler nun einen Rabatt in Höhe von 10% oder die kostenlose Rücknahme des Tresors an.
Ein Überarbeiten im Werk oder den Austausch des Produktes, wie von mir gewünscht, lehnte dieser aber leider ab.

Der Händler bietet mir nun einen Tresor des Herstellers Primat an. Das Modell heißt bei ihm allerdings Arkona 5, welches ich so nicht in dem Katalog des Herstellers finden konnte.
Zudem ist es teurer als der bisherige.

Meine Fragen an Euch wären nun:

1.Stellt die sich trotz der Feuerschutzdichtung noch bewegende Tür aus eurer Sicht ein Sicherheitsrisiko dar?

2.Sollte ich mich auf das Angebot der Firma Format einlassen oder auf den/einen anderen Hersteller ausweichen?

3.Kennt ihr einen Hersteller, der noch gute Qualität bietet, der Preis wäre zunächst zweitrangig.?

4.Warum wird die Modellreihe Arkona nicht beim Hersteller Primat im Katalog geführt; handelt es sich um eine Sonderanfertigung für den Händler, die ggf. mit Qualitätseinbußen einhergeht?

Vielen Dank im Voraus.

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distiller
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von distiller »

1.Stellt die sich trotz der Feuerschutzdichtung noch bewegende Tür aus eurer Sicht ein Sicherheitsrisiko dar?
Ja, das ist schlechte Arbeit!

2.Sollte ich mich auf das Angebot der Firma Format einlassen oder auf den/einen anderen Hersteller ausweichen?
Anderer Hersteller

3.Kennt ihr einen Hersteller, der noch gute Qualität bietet, der Preis wäre zunächst zweitrangig.?
Primat, Stacke Aachen, EGF, Kärcher Pforzheim, Robur Safes, Orgami Sistec (Den gibt's auch bei deinem Internethändler)..

4.Warum wird die Modellreihe Arkona nicht beim Hersteller Primat im Katalog geführt; handelt es sich um eine Sonderanfertigung für den Händler, die ggf. mit Qualitätseinbußen einhergeht?
Die Primatschränke werden unter zahlreichen Namen vertrieben (EGF bietet die z.B. auch als Leichtbauserie neben den eigenen schweren Schränken an). Bei Primat ist das der Starprim 3. Diese Modellreihe kenne ich aus eigenem Aufstellen und ich mag die sehr! Wenn Du den Grad drei in Erwägung ziehst, nimm doch gleich den Grad IV. Das wäre bei Deinem Händler die Serie "Artemis". Die sind gut verarbeitet (da wackelt bspw. keine Türe).

Piel
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von Piel »

Lackabplatzer können je nach Transport vorkommen, sollten aber dann vom Händler fachmännisch ausgebessert werden. Rosten sollte es aber nicht, erst recht nicht wenn der Schrank noch neu ist. Ich vermute mal dass der verwendete Stahl nicht verzinkt ist und mit einer einfachen Lackschicht lackiert wurde.

Was die Dichtungen in der Tür betrifft: Oft werden spezielle Quelldichtungen verwendet die sich bei höherer Temperatur ausdehnen. In Kombination mit einer guten und passgenauen Verarbeitung bieten solche Dichtungen einen zusätzlichen Schutz vor Feuer, Rauch und Löschwasser. Wenn sich die Türe aber wirklich im geschlossenen Zustand so weit bewegen lässt würde ich auch Abstand von dem Schrank nehmen.

Zu den anderen Fragen kann ich nicht viel sagen, aber ich meine mich zu erinnern dass es nicht das erste Mal ist, dass die Marke Format hier im Forum angesprochen worden ist.

fripa10
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Tresore sind zur Aufstellung in geschlossenen Räumen vorgesehen, nicht für eine Aufstellung mit Bewitterung. Von daher ist eine Verzinkung obsolet, der Stahl wird üblicherweise mit einer 2K-PUR-Beschichtung versehen, die auch ausreicht.

Wir müssen ganz klar differenzieren zwischen transportbedingten Lackschäden und Unterrostungen. Letztere kommen - wie der Fall HOSSBACH gezeigt hat - leider heutzutage auch vor und solche würde ich niemals tolerieren, ebensowenig eine komplette "Aufarbeitung".

Als Kunde hat man schließlich nicht die Möglichkeit bei Übernahme des angeblich umfassend aufgearbeiteten Schrankes zu prüfen, ob die nicht erneut nur den Rost überlackiert haben. Zu einem Hersteller der eine derart mieserable Qualität liefert und seine Kunden betrügt, hätte ich kein Vertrauen, ich würde auch keinen VW mehr kaufen.

Hinter dem Band kann man Transportschäden ja wohl ausschließen. Ich würde den Rücktritt vom Kaufvertrag empfehlen. Es ist die Wahl des Käufers, ob er Umtausch, Nachbesserung oder die Rückabwicklung des Kaufgeschäfts wählt. Soweit in bestimmten Fällen der Verkäufer ausnahmsweise zunächst auf eine Nachbesserung beschränken darf, blieb diese hier erfolglos. Somit entscheidet nunmehr der Käufer, welche Lösung er will.

Mir scheint als wähne sich hier der Verkäufer noch in einer (starken) Rechtsposition, in der er sich aber gar nicht befindet. Wenn der Käufer einen Umtausch wünschen würde und der Artikel noch beschaffbar ist, steht es dem Verkäufer gar nicht zu, den Umtausch zu verweigern. Der Käufer hat grundsätzlich Anspruch auf eine mangelfreie Ware und solange diese nicht geliefert ist, ist der Kaufvertrag seitens des Verkäufers nicht erfüllt.

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boianka
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von boianka »

fripa10 hat geschrieben:wie der Fall HOSSBACH gezeigt hat
> folgend und auch hier folgend .

Tresorkäufer
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von Tresorkäufer »

@butzow:

Das kommt mir doch so bekannt vor. Exakt die gleichen miserable Erfahrungen habe ich mit der Firma Hossbach und einem VdS 4 Tesor von denen gemacht.

Unsaubere Verarbeitung - die unmöglichen Spaltmaße durch die der Wind pfeifft, dazu Farbabplatzungen kurz nach der Leiferung unter denen sich flächige Anrostungen des Korpus (innen und Aussenseite) befanden. Als ich dann die Innenverkleidung der Tresortüre abgenommen hatte war ich über das Ausmaß des Pfusches und des Rostes entsetzt.

Lange und erfolglos habe ich mich mit den Händler gestritten - online-Großhändler in Stuttgart. Der wollte nur eine Nachbesserung mit "drüberpinseln". Die unmöglichen Spaltmaße ware dadurch nicht verschwunden. Und ich hatte genau wie Du noch einen Brandschutzdichtung in der Türe.


Über Kontakte in das Prüflabor des VdS habe ich schließlicheinen Tipp bekommen auf ein Produkt das sehr gut abgeschnitten hat.


Ich ahbe daraufhin mir als Ersatz von Prmat das Modell 5100 gekauft. Das kleinste VdS 5 Modell das die bauen. Klar VdS5 ist mehr als VdS4 oder wie bei Dir VdS3.

Der Kauf hat sich aber absolut gelohnt. Der Primat 5100 ist noch nach der alten Bauart hergestellt. Massiv, ganz massiv, geringe Spaltmaße der Türe, sehr saubere Verarbeitung und zusätzlich habe ich eine Brand- und Rauchdichtung aus Glasfasergewebe in den Falz einziehen lassen. So sollte ein Panzergeldschrank aussehen - und so waren die früher auch verarbeitet. Bankqualität.

Sehr, sehr gute Érfahrungen habe ich als Lieferant mit der Firma Prosafe in München gemacht (Inhaber Pöchheim). Ich kann die Firma wärmstens empfehelen. Liefert deutschlandweit.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von butzow »

Vielen Dank Euch allen für eure wertvollen Beiträge.
Dann werde ich mich gegen das Angebot des Herstellers entscheiden.
Schade eigentlich, denn zumindest was die Materialanmutung angeht, wirkt der Format Tresor auf den ersten Blick sehr überzeugend, wären da nicht die festgestellten Mängel und der, laut Aussage des Händlers, bestehende Unwillen einen mangelfreien Austauschtresor zu liefern oder eine fachgerechte Überarbeitung vorzunehmen.
Da sich der Händler uns gegenüber aber verständnisvoll gezeigt hat, möchten wir ihm gern die Treue halten.
Daher blieben noch die Hersteller Orgami Sistek oder Primate, die dieser in seinem Sortiment führt.

Speziell an distiller hätte ich noch folgende Fragen:
1.Der Händler nennt beim Arkona die Firma Primat als Hersteller, nennt diesen aber abweichend vom Hersteller nicht Starprim.
Sind aus deiner Erfahrung also keine baulichen Abweichungen zu dem Modell mit dem du positive Erfahrungen gemacht hast zu erwarten?

2. Die vds 4 Variante hätte den "Nachteil" der für unsere Zwecke unnötigen zwei Schlösser. Ist die Vds 4 Variante deiner Erfahrung nach der Material- bzw Verabeitungsanmutung des vds3 Schrankes überlegen?

3. Siehst du Orgami Sitek als qualitativ ebenbürtig zum Hersteller Primat an?

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

Auch wenn ich nicht distiller bin, erlaube ich mir darauf hinzuweisen, daß der Unterschied zwischen den VdS-Klassen III und IV in mehr besteht, als in der bloßen Existenz zweier Schlösser. Unter anderem werden bei Klasse IV spezielle Zuschlagstoffe verwendet, die Aufbruchversuche erschweren, da hat man schon einen technischen Mehrwert. Auf die "Anmutung" hingegen wirkt sich die VdS-Klasse innerhalb der gleichen Baureihe nicht aus.

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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von boianka »

fripa10 hat geschrieben:daß der Unterschied zwischen den VdS-Klassen III und IV in mehr besteht, als in der bloßen Existenz zweier Schlösser.
Und welcher VdS-Klasse entspräche "Dein" Leicher ? - XVIIVIII ?

fripa10
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Re: Tresor Kaufberatung

Beitrag von fripa10 »

boianka hat geschrieben:Und welcher VdS-Klasse entspräche "Dein" Leicher ? - XVIIVIII ?
Formell wird ein D10 heute versicherungstechnisch der VdS-Klasse III gleichgestellt, ein D20 der VdS-Klasse IV. Tatsächlich liegen sie von ihren Widerstandswerten (RU) jeweils gut eine halbe Klasse höher als die formell angenommene VdS-Klasse.

Betrachtet man allerdings isoliert die Verschlußtechnik, sehen die modernen Schränke gegen die alten D10 und D20 oder gar die E10 keinen Stich. Wo gibt es heute noch Schränke mit Lafettenschlössern? Die muten den Kunden teils 20 bis 25 cm lange Schlüssel zu, außerdem sind diese Schlösser dann nicht mehr durch eine Lafette geschützt.

Die Qualität und Langlebigkeit sind bei der Einstufung ohnehin kein Thema, für den Besitzer aber durchaus.

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