Keilanker - Verbundanker, 50 kN nicht erreicht

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blubber
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Keilanker - Verbundanker, 50 kN nicht erreicht

Beitrag von blubber »

Hallo Interessierte,

ich befasse mich seit einiger Zeit mit der normkonformen (EN 1143-1) Befestigung eines Tresors. Der Tresor um den es geht hat 2 Befestigungsbohrungen durch die M12-Gewindestangen durchgeführt werden sollen. Gefordert sind in der EN 1143-1 bis Widerstandsgrad III 50 kN - also 5 Tonnen - senkrechter Auszugskraft. Mit normalen Dübeln und Schrauben die man aus dem Hausgebrauch kennt geht das natürlich nicht sondern man braucht:
    Keilanker die mechanisch sich im Bohrloch verkeilen oder
      Verbundanker bei denen eine Gewindestange im Bohrloch verklebt wird.
      Letzteres kann deutlich höhere Kräfte übertragen.

      Ich illustriere mal, damit hier auch ein Mehrwert geschaffen wird:

      Keilanker - auch Bolzenanker genannt:
      bolzenanker.png
      Die Ausziehkraft bei Keilankern ist mehr oder weniger abhängig vom Keilanker und der Festigkeit vom Betons/Mauerwerks.

      Verbundanker mit Klebepatrone:
      Verbundanker.png
      Die Festigkeit ist abhängig von der Festigkeit des Betons/Mauerwerks und im Ggs. zu Keilankern zusätzlich der Verankerungstiefe. Gewissermaßen ist die Größe der Fläche um die Verbundankerstange (da wo das Gewinde ist) entscheidend wie fest der Verbundanker hält. Je tiefer und Länger die Verbundankerstange im Beton verklebt ist, desto höher damit die Fläche und dann die Auszugskraft. Klar irgendwann ist da auch mal Schluss, da dann die tieferliegenden Anteile nicht mehr tragen.
      --> Dazu gibt es einen Online-Auslegungsrechner unter: https://www.fischer.de/de-de/service/pl ... ixperience
      Das sind natürlich nur Fischer-Produkte, für die anderen gibt es das meines Wissens nach auch.

      Mein Problem:
      Ich habe 120 mm Beton unbekannter Festigkeit im Kellerboden, mit Keilankern M12 und 2 Bohrungen und angenommenerB20/25 Betonfestigkeit komme ich max. auf 32 kN Auszugskraft. Bei Verbundankern erreiche ich unter Optimalbedingungen fast die 45 kN, aber eben nicht die geforderten 50 kN. Soll heißen ich erfülle nicht die Anforderungen nach EN 1143-1

      Ich mutmaße nun einmal, dass im Schadensfall (Einbruch und Entwendung des Wertschutzschranks) die Hausratversicherung sehr genau prüft, ob der Tresor ausreichend verankert war und dann eine Haftung liebendgern ablehnen würde.

      Wie sehen eure Erfahrungen sowohl im Versicherungsfall als auch überhaupt darin aus, den Tresor ausreichend zu verankern.

      Habt ihr das berechnet und habt ihr 50 kN erreicht?

      Welches Befestigungsmaterial habt ihr eingesetzt?

      Viele Grüsse

      Blubber
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      Re: Keilanker - Verbundanker, 50 kN nicht erreicht

      Beitrag von distiller »

      Hallo,
      endlich mal jemand, der sowas spannendes schreibt :)
      Ich habe Tresore gerne mit Betonschrauben (Fischer FBS z.B.) verankert. Die 50kN erreicht man damit jedoch nicht, weshalb man halt mehrere Schrauben/Löcher braucht.
      Die allermeisten Tresorbesitzer werden den Safe nicht mit 50kN befestigt haben, schlicht weil Sie in einem Haus/Wohnung leben, wo mit Mauersteinen gearbeitet werden muss. Hier sind die 50kN auch theoretisch kaum zu erreichen. Das Einkleben ist aus meiner Sicht immer besser, als das verkeilen.

      Und jetzt mal aus der Praxis:
      Szenario war ein Umzug, wo ein Klasse1-Schränkchen mitgehen sollte. Der Besitzer hatte den mit 4xM10-Gewindestangen an der Backsteinwand befestigt. Die Stangen waren ca. 70mm mit Fischer Klebemörtel vom Baumarkt in den Steinen eingeklebt und dann im Safe verschraubt.
      Fazit war, dass selbst 1m-Brechstang(en!) nicht reichten, um den Safe zu lösen, da die Stangen schief eingeklebt waren und sich die Rückwand verkantete. Erst, als mit großer Kraft auch die Backsteine "gesprengt" waren, konnte der Safe gelöst werden. Also klar, das ist anekdotische Evidenz, aber mir würde das reichen.
      Was da cool war: Die Hülsen in der Saferückwand waren leicht federnd... somit drei Männer, zwei Stangen und eine Stunde Arbeit :D

      Alteshaus
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      Re: Keilanker - Verbundanker, 50 kN nicht erreicht

      Beitrag von Alteshaus »

      Dann nimm bei der Berechnung einfach C35 als Wert und klebe die ein. Es ist ja die bestmögliche Variante.

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      Re: Keilanker - Verbundanker, 50 kN nicht erreicht

      Beitrag von mhmh »

      Auch gut hierzu passend: Abreissmelder https://www.dormakaba.com/resource/blob ... f-data.pdf

      freaky_locksmith
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      Re: Keilanker - Verbundanker, 50 kN nicht erreicht

      Beitrag von freaky_locksmith »

      Hallo blubber,

      interessanter Post. Ich möchte Dir gern einige Antworten zur Norm und zur Verankerung geben. Eins vorweg, wir verankern zu 98% mit Hochleistungmörtel Fischer FIS V. Warum? Bitte weiterlesen. 8)
      blubber hat geschrieben: 18. Sep 2022 12:31 Hallo Interessierte,

      ich befasse mich seit einiger Zeit mit der normkonformen (EN 1143-1) Befestigung eines Tresors. Der Tresor um den es geht hat 2 Befestigungsbohrungen durch die M12-Gewindestangen durchgeführt werden sollen. Gefordert sind in der EN 1143-1 bis Widerstandsgrad III 50 kN - also 5 Tonnen - senkrechter Auszugskraft.
      Der Wert 50 kn ist richtig. Allerdings ist es missverständlich, es geht nicht um senkrechte Auszugskraft aus dem Boden, sondern um das Versagen des Befestigungspunktes (Bohrung) im Wertbehältnis, wie z.B. das Durchziehen des Ankers (Gewindestange, Bolzen usw.).
      blubber hat geschrieben: 18. Sep 2022 12:31 Mit normalen Dübeln und Schrauben die man aus dem Hausgebrauch kennt geht das natürlich nicht sondern man braucht:
        Keilanker die mechanisch sich im Bohrloch verkeilen oder
          Verbundanker bei denen eine Gewindestange im Bohrloch verklebt wird.
          Letzteres kann deutlich höhere Kräfte übertragen.

          Ich illustriere mal, damit hier auch ein Mehrwert geschaffen wird:

          Keilanker - auch Bolzenanker genannt:
          bolzenanker.png
          Die Ausziehkraft bei Keilankern ist mehr oder weniger abhängig vom Keilanker und der Festigkeit vom Betons/Mauerwerks.

          Verbundanker mit Klebepatrone:
          Verbundanker.png
          Die Festigkeit ist abhängig von der Festigkeit des Betons/Mauerwerks und im Ggs. zu Keilankern zusätzlich der Verankerungstiefe. Gewissermaßen ist die Größe der Fläche um die Verbundankerstange (da wo das Gewinde ist) entscheidend wie fest der Verbundanker hält. Je tiefer und Länger die Verbundankerstange im Beton verklebt ist, desto höher damit die Fläche und dann die Auszugskraft. Klar irgendwann ist da auch mal Schluss, da dann die tieferliegenden Anteile nicht mehr tragen.
          --> Dazu gibt es einen Online-Auslegungsrechner unter: https://www.fischer.de/de-de/service/pl ... ixperience
          Das sind natürlich nur Fischer-Produkte, für die anderen gibt es das meines Wissens nach auch.
          Deine Überlegungen gehen in die richtige Richtung.
          • normale Nylondübel wie die von Fischer erreichen je nach Verankerungsgrund nur sehr geringe Auszugswerte (bis zu 1,5 kn) bis zum Versagen.
          • Bolzenanker erreichen sehr hohe Werte, eine "richtig" gesetzte Gewindestange ein Vielfaches.
          • je tiefer eine Gewindestange gesetzt werden kann um so höher sind die Auszugswerte bis zum Materialversagen (z.B. Gewindestange reist ab, Beton bricht aus)
          Das konnten wir bei Fischer und Hilti bereits mehrfach selbst testen.
          Aber:
          • Bolzenanker haben keine Zulassung für gerissenen Beton - in gerissenem Beton erreichen sie die Auszugswerte nicht.
          • Die Bestimmung und Qualifizierung des Verankerungsgrundes ist nicht bzw. nur sehr selten möglich. (s.a.unten)
          blubber hat geschrieben: 18. Sep 2022 12:31 Mein Problem:
          Ich habe 120 mm Beton unbekannter Festigkeit im Kellerboden, mit Keilankern M12 und 2 Bohrungen und angenommenerB20/25 Betonfestigkeit komme ich max. auf 32 kN Auszugskraft. Bei Verbundankern erreiche ich unter Optimalbedingungen fast die 45 kN, aber eben nicht die geforderten 50 kN. Soll heißen ich erfülle nicht die Anforderungen nach EN 1143-1

          Ich mutmaße nun einmal, dass im Schadensfall (Einbruch und Entwendung des Wertschutzschranks) die Hausratversicherung sehr genau prüft, ob der Tresor ausreichend verankert war und dann eine Haftung liebendgern ablehnen würde.
          Wie sehen eure Erfahrungen sowohl im Versicherungsfall als auch überhaupt darin aus, den Tresor ausreichend zu verankern.
          Habt ihr das berechnet und habt ihr 50 kN erreicht?
          Welches Befestigungsmaterial habt ihr eingesetzt?
          Viele Grüsse

          Blubber
          In Wohngebäuden besteht der Bodenaufbau meist aus einer 10-12 cm starken Schicht Estrich, Styropor, Folie, eventuell FBH und Stahlbetondecke.
          Estrich kann zwar Druck aber so gut wie keine Zugkraft ab. Eine sinnvolle Verankerung ist in Estrich nicht möglich!
          Hilfreich sind zusätzliche Befestigungspunkte in der Rückwand (ab Werk). Solche Rückwandbohrungen kann man nicht einfach nachrüsten.
          Unsere Kunden bekommen immer ein Verankerungsprotokoll (in Anlehnung VdS), aus welchem Verankerungsmaterial/-technologie, Untergrund, Drehmoment usw. hervorgehen und im Schadensfall die fachgerechte Montage belegt ist.

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