pylocx?

Zerstörungsfreie Schlossöffnung, Fragen zu den verschiedenen Werkzeugen und freier Informationsaustausch

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schlossmeister
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Re: pylocx?

Beitrag von schlossmeister »

"pylocx" ist ein Schließsystem und nicht nur ein Profilzylinder. Das System besteht aus etlichen einzelnen Schließkomponenten die man alle mit einem Transponder öffnen kann. Dieser wird mit zwei AAA-Batterien (3V) betrieben und speist gleichzeitig die Komponenten.
Komponenten sind u.a. ein Steuermodul, mit diesen kann man auf Grund der vorhandenen Schnittstellen verschiedene Sachen ansteuern z.B. Motorschlösser, Brand- u. Gefahrenmeldeanlage etc. Das Steuermodul kann man auch an eine externe Stromversorgung anschließen 230V oder 48 Volt.
Wenn diese ausfällt übernimmt der Transponder die Notstromversorgung zum Öffnen der Komponente.
Weitere Komponente ist z.B. ein Schlüsseltresor (Rohrtresor) ohne Batterie.
Das Gegenstück zum Transponder ist eine magnetische vandalismussichere Kontaktstelle die zum einen die Spannung an die Komponente weitergibt und zum anderen über einen BUS den Öffnungsalgorithmus überträgt. Im Profilzylinder sind übrigens keine Magnete.
Hoffentlich habe ich jetzt ein bisschen Licht ins Dunkle gebracht.

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kamikaze
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Re: pylocx?

Beitrag von kamikaze »

Danke für die gute Erklärung! :yes:
" KEIN ZYLINDER IST UNPICKBAR"
kamikaze

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mhmh
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Re: pylocx?

Beitrag von mhmh »

schlossmeister hat geschrieben:Im Profilzylinder sind übrigens keine Magnete.
Oha. Als Motoren die wie eine Asynchronmaschine aufgebaut sind? Oder Piezoelektrische Mikromotoren?
Hört sich spannend an!

Schöne Grüße
mh

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Christian
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Re: pylocx?

Beitrag von Christian »

schlossmeister hat geschrieben:"pylocx" ist ein Schließsystem und nicht nur ein Profilzylinder. Das System besteht aus etlichen einzelnen Schließkomponenten ....
Das ist bei anderen solchen Schliesssystemen auch der Fall, z.B. Simons+Voss oder U&Z, da gibt es auch diverse Koponenten. Nur bei einer Schliessanlage geht es meist hauptsächlich um die Profilzylinder, bei denen ja auch die Thematik der Stromversorgung interessant ist.
Einfache Kartenleser und Codeschlösser die einfach ein eÖffner oder ein Motorschloss (am PersonalEingang, Schranke oder was auch immer) ansteuern sind ja auch oft zu finden, und um ein vielfaches günstiger als die ProfilzylinderLösungen.
Es gibt nur eine legitime Einstellung

schlossmeister
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Re: pylocx?

Beitrag von schlossmeister »

Christian hatte geschrieben:
"Das ist bei anderen solchen Schliesssystemen auch der Fall, z.B. Simons+Voss oder U&Z, da gibt es auch diverse Koponenten. Nur bei einer Schliessanlage geht es meist hauptsächlich um die Profilzylinder, bei denen ja auch die Thematik der Stromversorgung interessant ist."

Ich hatte Schließsystem erwähnt, weil in einem Beitrag der Fokus auf Profilzylinder lag.
Schließsysteme und Schließanlage sind aus meiner Sicht zwei völlig unterschiedliche Einsatzformen. Schließanlagen z.B. für Gebäude müssen nicht unbedingt Profilzylinder sein (wie in vielen Hotels, Garderobenspinde in Freizeiteinrichtungen u.s.w) Da gibt es oft keinen Profilzylinder mehr.
Schließsysteme zeichnen sich dadurch aus, dass ich von A nach B komme, Indoor oder Outdoor und das mit nur einem einzigen Öffnungstransponder.
Die muss für viele hundert Mitarbeiter funktionieren, ohne das ich denen nur einen herkömmlichen Schlüssel (Privathaus, Zaunanlage etc) gebe. Diese lege ich dann z.B. in einen Rohrtresor vom gleichen System, natürlich bei pylocx ohne Batterie. Dann soll er noch einen Geldautomaten oder Waffenschrank oder Safe öffnen und das alles mit einem Transponder. Jetzt sind wir bei einem Schließsystem.
Pylocx hat zwei Pin Verfahren. Einmal ein fester PIN und einmalig Öffnen mit einem Security Code. Letzteres heißt, der Transponder ist "leer" und damit bei Verlust völlig wertlos. Zum Öffnen wird durch eine Zentrale ein einmaliger Pin-Code erzeugt, der nach Gebrauch wieder wertlos ist.
Das ist sicher nur für Bereiche ab einer gewissen Sicherheitsstufe erforderlich, der Privatanwender kann ja auch das normale PIN-Verfahren nutzen. Pylocx deckt aber alle Bereiche ab.

Die bisherigen Schließsysteme zeichnen sich in der Regel durch die RFID Technologie aus und enthalten Batterien. Wenn die Batterien alle sind, ist Schluss, wenn der außen liegende Antennenring zerstört wurde ist ebenfalls unweigerlich Schluss. Die nächste Schwachstelle sind die Batterien im Außenbereich.
Das Problem der Batterie im Winter kennt jeder. Die Herstellerangaben (300.000 Schließungen oder 10 Jahre Standby und das bei -20°C) auch der o.g. sind rein theoretisch.
Die erstgenannte Firma durfte in einem großen Ministerium in Berlin fast alle Batterien in den neu installierten Indoor-Schlössern (mussten getauscht werden, weil der verwendete Legic-Algorithmus geknackt wurde) nach 2- 4 Monaten tauschen, weil sie leer waren.
Da die Pylocx-Komponenten keine Batterien haben ist dieses Risiko vor allem auch im Außenbereich bei niedrigen Temperaturen eleminiert.
Wenn der Transponder verloren geht oder gestohlen wird, gibt es ein erhebliches Risiko, weil auch unberechtigte jetzt die Türen Öffnen können. Bei den herkömmlichen Transponder auch der o.g. ist der PIN oder Öffnungsalgorithmus fest abgespeichert.

Sicher haben auch die herkömmlichen Schließsystem u.a. auch der o.g. Firmen ihre Anwendungsbereiche. Pylocx hat aber genau diese genannten Schwachstellen bearbeitet und technisch gelöst und das nicht auf Basis der RFID.

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Re: pylocx?

Beitrag von mhmh »

Dass man mit elektronischer Schließberechtigungsprüfung wesentlich mehr Flexibilität erreichen kann als mit mechanischer ist wohl unbestritten.
Und eine Lösung ohne Batterie im Schloss, wie z.B. bei den ASSA ABLOY Cliq Produkten, hat auch interessante Vorteile.

Die Frage ist, ob das ganze vollständig durchdacht und wirklich kompetent getestet ist, sonst wird irgendwann so etwas wie mit dem Magnetering bei U+Z passieren: Man bietet sein als perfekt empfundenes System fleissig an, kommt damit plötzlich einem anderen Anbieter kommerziell in die Quere, und schwups, gibt es Youtube Videos mit Schwachstellen.

Gerade bei der Mechanik kann man leicht welche übersehen, aber auch obskure Authentisierungsverfahren lassen so etwas erwarten.

Grüße
mh

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Christian
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Re: pylocx?

Beitrag von Christian »

Gerade bei Elektronischen Systemen muss man meiner Meinung nach noch mehr differenzieren für welchen Einsatzbereich dieser bestimmt ist als bei der Mechanik. Das perfekte System für alle denkbaren Fälle wird es daher nie geben, auch wenn es (natürlich) die Anbieter dieser weis machen wollen. Ich denke das man da in Richtung sinnvolle Kombination verschiedenster Technologien denken muss, um die perfekte Lösung für ein Objekt zu finden. Und für Privathaushalte ist der genormte und damit leicht austauschbare mechanische Zylinder sicherlich mehr als ausreichend...
BATTERIEN
sicher hat die Idee das man die Batterie am Schlüssel (Transponder) mit sich führt so seine Vorteile und macht es dann interessant für viele bereiche,
aber ich denke das z.B. für einen Personaleingang mit Kartelseser es schon ganz gut ist das die vielen vielen Leute enfache Wartungsfreie Rfid-Karten (oder was auch immer) bekommen, und an den wenigen wichtigen Türen die Stromversorgung mittels Netzteil sichergestellt ist.

Aber was jetzt genau das Pylocx ist weiss ich immer noch nicht ???
Es gibt nur eine legitime Einstellung

schlossmeister
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Re: pylocx?

Beitrag von schlossmeister »

Christian hat geschrieben:Gerade bei Elektronischen Systemen muss man meiner Meinung nach noch mehr differenzieren für welchen Einsatzbereich dieser bestimmt ist als bei der Mechanik. Das perfekte System für alle denkbaren Fälle wird es daher nie geben, auch wenn es (natürlich) die Anbieter dieser weis machen wollen. Ich denke das man da in Richtung sinnvolle Kombination verschiedenster Technologien denken muss, um die perfekte Lösung für ein Objekt zu finden. Und für Privathaushalte ist der genormte und damit leicht austauschbare mechanische Zylinder sicherlich mehr als ausreichend...
BATTERIEN
sicher hat die Idee das man die Batterie am Schlüssel (Transponder) mit sich führt so seine Vorteile und macht es dann interessant für viele bereiche,
aber ich denke das z.B. für einen Personaleingang mit Kartelseser es schon ganz gut ist das die vielen vielen Leute enfache Wartungsfreie Rfid-Karten (oder was auch immer) bekommen, und an den wenigen wichtigen Türen die Stromversorgung mittels Netzteil sichergestellt ist.

Aber was jetzt genau das Pylocx ist weiss ich immer noch nicht ???
Dann frage doch mal speziell. Du kannst mir auch eine Mail schicken, dann schicke ich Dir ein Datenblatt z.B. vom Rohrtresor bzw. Transponder.
Alles was Du gesagt hast ist natürlich richtig. Es steht immer die Frage, was will der Nutzer. Es gibt viele Nutzer, die legen sehr viel Wert auf Vandalismusschutz und Sicherheit gerade für solche Bereiche wo man, wenn es sein muss, unbedingt rein muss. Das sind u.a. Standorte, die über das Gebiet der BRD oder darüber hinaus verteilt sind und nicht regelmäßig aufgesucht werden. Dahinter verbergen sich aber Bereiche z.B. von Technik, wo im Störfall ein Zutritt gewährleistet werden muss (z.B. Deutsche Bahn, Mobilfunkunternehmen, Energieversorger) . Was nützt mir ein Profilzylinder egal ob mechanisch oder RFID wo ein paar Tropfen Sekundenkleber ausreichen um das Schloss außer Gefecht zu setzen. Folgekosten nur für den Austausch relativ hoch, Technik nur mit großer Verzögerung wieder i.O.
Kartenleser ja auch diese haben ihre Berechtigung. Wenn man aber nicht will, dass bei Verlust oder Diebstahl ein fremder mit dieser Karte in alle Bereiche kann, werde ich diese Technik nicht einsetzen.
Ist eben eine reine Frage, was will ich und was reicht mir an Sicherheit.

Zur Anmerkung mhmh:
"Die Frage ist, ob das ganze vollständig durchdacht und wirklich kompetent getestet ist, sonst wird irgendwann so etwas wie mit dem Magnetering bei U+Z passieren"

Wenn der VdS kompetent ist, dann ist es kompetent getestet neben eigenen aufwendigen Testreihen.

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Christian
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Re: pylocx?

Beitrag von Christian »

Nochmal zu "herkömmliche" KartenLeser
schlossmeister hat geschrieben: Wenn der Transponder verloren geht oder gestohlen wird, gibt es ein erhebliches Risiko, weil auch unberechtigte jetzt die Türen Öffnen können. Bei den herkömmlichen Transponder auch der o.g. ist der PIN oder Öffnungsalgorithmus fest abgespeichert..
also alle Kartenleser die ich kenne speichern die individuelle ID der Karte (Rfid, Magnetstreifen oder was auch immer) ab, so das jeder einzelner Karte die Zugangsberechtigung entzogen werden kann. Gegen unbereichtigte Benutzung wird wohl kein System sicher sein, es sei denn es wird noch eine Pin-Nummer abgefragt, oder ein Fingerabdruck... ansonsten ist man immer darauf angewiesen das Karteninhaber den Verlust ihrer Karte brav melden so das der Administrator diese dann löscht. Gut mit Zeitprofile und AblaufDatum der Zugangsberechtigung kann man natürlich das Risiko noch weiter mindern.

Also das Problem das U&Z mit dem Magnetring wohl hatte, ja es ist natürlich bei der Entwicklung von Systemen jeglicher Art immer die Gefahr das später irgendwelche Fehler rauskommen, und gerade bei Sicherheitstechnik gibt es immer irgendwelche Zauberer die regelrecht eine Schwachstelle suchen.

Für weitere Info's währe ich neugieriger Mensch natürlich dankbar, das KOKSA-PN bietet auch die möglichkeit ein Datenanhang mit hochzuladen.
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Re: pylocx?

Beitrag von Heihachi »

Nebenbei: Ich verstehe den Unterschied zwischen verlorenem (mechanischen) Schlüssel und verlorener elektronischer Authentifikation nicht so ganz...

... bzw. ich denke eher, dass der Nutzer bei elektronischen Komponenten höchstens mehr Mölichkeiten hat verlorene Karten / Transponder mittels Administrationssoftware zu sperren.

Bei verlorenen Schlüsseln bleibt sonst eigentlich nur Tausch der Hardware übrig...


Grüße aus Köln
Lockpicking kann ich kaum... aber Tekken!

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