Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

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Leone
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Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von Leone »

Hallo zusammen,
am Beispiel der eigenen (KESO 4000 Omega) Anlage ist mir aufgefallen, dass die "höherwertigen" Schlüssel mehr Bohrungen als die Einzelschliessungen aufweisen. der GHS selbst hat die meisten Bohrungen.
Das erscheint mir insofern als logisch, da ja die Anlagenfunktion nicht durch geteilte Stifte (Anlagen-Plättchen) sondern mittels verschiedenen Bohrungen und Bohrungstypen (z.B. Stufenbohrungen) realisiert wird - das habe ich so gelesen und soweit auch verstanden ...

Was mich nun interessiert, kann ich quasi durch betrachten eines Borhmuldenschlüssels relativ leicht
erkennen, wie der Schlüssel hirarchisch einzuordnen ist? Also je mehr Bohrungen desto weiter oben in der Hirarchie?
Es steht ja - zumindest bei meiner Anlage - nicht immer GS1 oder so auf dem Schlüssel, auch wenn er mehrere Einzelschliessungen sperrt und faktisch ein übergeordneter Schlüssel ist.
Gelegentlich sieht man Fotos im I-Net, die solche Bohrmulden an Schlüsselbunden mit vielen Bohrungen zeigen, von daher die Frage ...

Hier mal zwei Beispiele, um zu zeigen, was ich meine:
"viele Bohrungen": https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Boh ... Cssel1.JPG
weniger Bohrungen: https://commons.wikimedia.org/wiki/File ... uessel.jpg

Und zweite Frage interessehalber: Wenn ich in einem solchen System einen Gartentorzylinder als eine separate Schließung einer Anlage einsetze und dieser gestohlen wird, läßt das keine nutzbaren Rückschlüsse auf übergeordnete Schlüssel zu - stimmt das?

Danke Euch für Eure Einschätzungen und Infos!

Viele Grüße aus München
Leone
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Retak
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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von Retak »

Ja, der in der Hierarchie am höchsten stehende Schlüssel hat die meisten Bohrungen, da er ja die Bohrbilder aller untergeordneten Schlüssel enthalten muss. Man versucht zuweilen das Problem der Erkennbarkeit sowie der Erweiterns von Schliessrechten durch nachträgliches setzen von Bohrungen dadurch zu entschärfen, dass man auf den Einzelschlüsseln zusätzliche "Fake-"Bohrungen anbringt, die für die Schliessfunktion keine Bedeutung haben, dem sind aber, vor allem bei größeren Anlagen, Grenzen gesetzt. Wenn man einen Schlüssel sieht, wo sich auf den flachen und schmalen Seiten (manchmal ohne Zwischenraum) Bohrung an Bohrung reiht, ist das mit Sicherheit ein übergeordneter Schlüssel.
Ein einzelner Zylinder lässt keine Rückschlüsse auf die übergeordneten Schliessungen der Anlage zu. An Hand der genüber reinen Einzelschliessungen geringeren Anzahl aktiver Stifte im Zylinder ist lediglich erkennbar, dass es zu diesem Zylinder einen übergeordneten Schlüssel gibt.

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Leone
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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von Leone »

Vielen Dank Retak für die Erläuterungen!

Ich bin gerade dabei, alle meine Schlüssel optisch auszulesen und in Tabellen einzutragen. Es lässt sich in der Tat erkennen, welche Bohrung im GHS oder GS welche PZ sperrt.
Ein faszinierendes Thema für mich ... - die Berechnung größerer Anlagen ist wohl eine Wissenschaft für sich, gerade mit Stufenbohrungen und verschiedenen Stiftformen ...
Ich komme da sicher noch mit der einen oder anderen Frage um die Ecke :)

Gruß Leone
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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von Salmo1 »

Ich hab letzten bei Keso noch gesehen das in einem System Omega und normale Zylinder eingesetzt werden. In dem Gebäude sind alle Außentüren durch einen Omega Zylinder gesichert worden und im Gebäude nur normale Zylinder. So gibt es dann “zwei GHS“. Also noch ne Möglichkeit weitere übergeordnete Schlüssel zu fertigen.

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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von mhmh »

Salmo1 hat geschrieben: 1. Jan 2022 13:19 So gibt es dann “zwei GHS“.
Stört es denn, wenn der GHS die Omega Stifte hat, aber der Zylinder sie nicht prüft?

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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von Retak »

Der HS mit den gefederten Omega Stiften schliesst alle Zylinder, einer ohne Omega stifte schliesst nur die Zylinder ohne die Omega Sicherung. Ich denk mal, dass man aus Kostengründen in der Innentüren nur einfache Zylinder verbaut hat. Ich hab auch schon Keso Zylinder gesehen, wo nur auf der Aussenseite eine Omega Sicherung vorhanden war.

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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von RFguy »

Diese verschieden Keso Stiftformen habe ich mal in dem 33C3 Vortrag thematisiert, liegt bei Media.ccc.de, suche dort nach meinem Nick. Bei den Einzelschließungen werden viele Bohrungen gar nicht genutzt, es wird ein festes Stiftabstandsraster genutzt, so ein Security by obscurity Theater, schlimmer ist nur BKS Janus. Bei Anlagen werden natürlich verschieden Raster benutzt, normal 3 verschiedene startpositionen, mit gleichen Abstand der Stifte. Deshalb gibt es auf der Code Karte der Kesos auch 15 Positionen pro Reihe.

Die Keso 4000 Schlüssel lassen sich auch wunderbar duplizieren, ist ein anderes Raster als die 2000 Omega Systeme. Das muss man halt der Fräse beibringen, dann muss am Omega Rohling nur der Hochsicherheits Patent Anschlag reingefräst werden.

Beim 8000er ist jetzt ein zweigeteilter Federstift, da gibt es noch keine Rohlinge für die Laufzeit des Patentes.

Könen uns ja mal gerne in München treffen.

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Leone
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Re: Fragen zu Schließanlagen als "Bohrmulden-System"

Beitrag von Leone »

Der Vortrag war echt gut, sehr interessant und informativ! :respekt: Danke für den Hinweis!
Können uns ja mal gerne in München treffen
Ja, sehr gerne. :yes:
Wir können uns da gerne per PM abstimmen!
Ich geb auch gerne einen oder zwei aus :D
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