ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

Zerstörungsfreie Schlossöffnung, Fragen zu den verschiedenen Werkzeugen und freier Informationsaustausch zum Thema Lockpicking

Moderatoren: Crocheteur, Retak, Mr. Smith

  • Beitrag 28. Jun 2004 01:18

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

Hi Leudls!

Nicht nur bei Abus, sondern bei allen Zylindern mit modifizierten Stiften, geht das so:

Wenn der Kern kippt, sich aber nicht weiterdrehen lässt, drückt man mit dem Haken auf jeden einzelnen Stift. Während man den Druck auf einen Stift etwas erhöht, verringert man die Spannung (Drehmoment).

Wenn man nun merkt, dass bei stärkerem Druck auf den Stift der Kern rückwärtsdrehen will, muss man ihn auch rückwärts drehen lassen, aber vorsichtig! So lange weiter auf den Stift drücken, bis es klickt, sofort wieder mehr spannen. Dann hat man den Stiftkopf unter die Scherlinie gedrückt. Der Kern kippt jetzt entweder genauso weit wie vorher oder sogar weiter, dann ist ein weiterer modifizierter Stift auf die gleiche Weise zu setzen.

Ist der Kern nicht mehr ganz so stark auf Kipp wie vorher oder sogar wieder ganz gerade, sind wohl andere Stifte bei dem Manöver wieder zurückgesprungen. Dann versucht man es nochmal, aber beginnt beim Nachsetzen mit einem anderen Stift.

Es gibt keine Regel, in welcher Reihenfolge die Stifte zu setzen sind. Das variiert nicht nur von Marke zu Marke, sondern von Zylinder zu Zylinder. Es können zwei völlig identische Zylinder der selben Marke eine verschiedene Setzreihenfolge erfordern!

Beim Picken machen wir uns ja die Fertigungstoleranzen zu nutze. Und die sind nie auf's Tausendstel gleich. Selbst wenn ein Hersteller es fertigbringen würde, Zylinder mit extremer Genauigkeit zu fertigen, werden sie allein durch die Benutzung wieder ungenau. Stell Dir vor, Du kommst nach hause, hast alle Hände voller Zeugs und kannst während des Aufschliessens nicht am Knauf der Tür ziehen. Wenn Deine Tür gut passt, wirst Du es mit dem Drehen des Schlüssels etwas schwerer haben. Alleine diese eine Öffnung mit dem richtigen Schlüssel verändert die Eigenschaften des Zylinders, weil Du am Schlüssel die Tür herangezogen hast. Dabei hat Dein Schlüssel kräftig auf die Stifte gedrückt, und schon sind wieder ein paar hundertstel Toleranz entstanden...

Das Standardprofil von Abus gehört zu 90 % zu den leichteren Übungen, weil man den "Rückwärtsgang" des Kerns besonders gut fühlen kann. Aber vielleicht hast Du ja ein 10 % - Abus, dann gehts halt schwerer auf :-(

Wenn Du Dir zutraust, einen Zylinder zu zerlegen (vielleicht schreib ich mal irgendwann 'ne Anleitung hier rein), könntest Du zum Üben eine Seite mit nur 2 Stiften, die andere mit 3 bestücken, und natürlich ruhig mit den modifizierten.

Aber aller Anfang ist schwer, und hast Du erstmal gemerkt, wie's geht, geh'n alle anderen schon viel schneller auf!

@ doc:

Wo hast Du denn abgeschrieben? Stifte nach oben drücken tun die in USA, bei uns sitzen die Stifte meistens unten - abgesehen mal von den alten Rundzylindern, wenn sie noch eingebaut sind. Oder man hält das Schloss halt upside down, dann stimmt's wieder :-)

Greetz, Mr Smith
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  • Beitrag 28. Jun 2004 04:48

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

iczh denk mal doc tipselt aus dem MIT handbuch der schloßöffnung übersetzt und copyrigth beim SSDEV

@doc hassu mal wieder die quelle vergessen ? ;) war bestimmt keine absicht da sind soooooooooo viele versionen davon unterwegs wo die ersten zeilen fehlen


cu hawk
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"............................................na das geht mal wieder so lange bis einer HEULT.......................
hawk28
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  • Beitrag 28. Jun 2004 10:17

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

Hi Leudls!

Kleine Fortsetzung...

Was man gerade bei Abus auch machen kann, ist folgendes: Angenommen, der Kern steht auf Kipp, und jedesmal, wenn man den ersten Stift nachsetzen will, springen alle anderen wieder zurück. Dann fang mit dem ersten Stift an, auch wenn er zu Anfang ganz leicht geht, also gar keine Bindungsreibung zu spüren ist. Drücke ihn OHNE Spannung mal komplett runter, damit Du merkst, wie tief er überhaupt geht. Dann mit leichter Spannung noch mal. Wenn er jetzt nicht mehr ganz so tief geht (und wieder hochfedert), kannst Du damit anfangen. Mach's wie beim Nachsetzen: Bis zum Widerstand drücken, den Finger am Spanner vorsichtig lockern und weiter auf den Stift drücken. Wenn Du spürst, das beim Weiterdrücken der Kern leicht zurückdrehen will, lass ihn kommen, es wird nur ganz wenig sein. Dann macht es Klick, und der Stift bleibt unten.

Wenn der betreffende Stift sowohl ohne als auch mit Spannung komplett versenkt werden kann, geht das natürlich nicht. Dann versuch es beim nächsten.

Und wer schon viel Literatur und Theorie angeschaut hat, kennt auch diese Methode: Um zu Überprüfen, ob ein Stift die richtige Position hat (oder nach obigem Vorgehen vielleicht zu tief sitzt), unter Spannung gaaaanz leicht auf den Stiftkopf drücken. Wenn sich der Stift noch ein Winzigstel runter und wieder rauf bewegt, ist er vermutlich am richtigen Platz. Wenn er komplett hart ist, eher zu tief.

Na dann, gut Pick und Schloss fall auf!

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  • Beitrag 17. Aug 2004 02:42

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

noch ein nachtrag für die zweifler...
also wenn du pilzkopfstifte hast un der kern geht auf kipp heist das eindeutig:
du hast keinen stift bisher zu tief gesetzt.
gleiches gilt für hantel oder spulen - stifte.

zitat:
"Und wer schon viel Literatur und Theorie angeschaut hat, kennt auch diese Methode: Um zu Überprüfen, ob ein Stift die richtige Position hat (oder nach obigem Vorgehen vielleicht zu tief sitzt), unter Spannung gaaaanz leicht auf den Stiftkopf drücken. Wenn sich der Stift noch ein Winzigstel runter und wieder rauf bewegt, ist er vermutlich am richtigen Platz. Wenn er komplett hart ist, eher zu tief." gez. MR SMITH
oder den zylinder nehmen, aber spannung nich nachlassen und schütteln, da hörst du wieviel stifte gesetzt sind. braucht übung vom gehör, aber lernt man schnell
john doh
 

  • Beitrag 17. Aug 2004 03:06

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

äöhm--- ma noch ne blöde frage:
gilt die regel das man einen stift den man nachsetzen muss wenn er wieder hochkommt immer
ALS NÄCHSTES setzten muss, und nicht erst einen anderen drücken muss?
john doh
 

  • Beitrag 17. Aug 2004 10:20

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

Hi Leudls!

Erstmal das mit dem Schütteln: Machen viele, aber hat keine grosse Aussagekraft. Man hört nämlich alle Stifte, die zwar gesetzt, aber nicht zu tief gesetzt sind.

Das kann bedeuten, dass ein klappernder Kernstift den Gehäusestift ein wenig gedrückt hat, aber noch nicht bis zur Scherlinie. Sofern der betreffende Gehäusetift noch bindet, kann er von der Feder nicht wieder hochgedrückt werden, also kann sich der darüberliegende Kernstift frei bewegen. Oder es kann bedeuten, dass ein Pilzkopf-Gehäusestift mit seiner Verjüngung an der Scherlinie klemmt, wodurch wiederum die Feder...

Wenn Du heraushören kannst, dass bei einem fünfstiftigen Zylinder alle fünf Kernstifte klappern, kannst Du Dir zumindest sicher sein, dass noch keiner zu tief gesetzt wurde.

Dann zu der b.F.: Nö, die Regel gibt's nicht. Wenn beim Setzen eines Stiftes ein anderer wieder hochspringt bedeutet dies nur, dass sich der Kern so weit zurückgedreht hat, dass die Drehung zum Festhalten bereits gesetzter Stifte nicht mehr ausgereicht hat. Wenn man nun den zurückgesprungenen Stift wieder setzt, kann es ja durchaus sein, dass es weitere Stifte gibt, die beim Setzen den Kern wiederum zu weit zurückdrehen.

Man beachte das wort "kann". Wenn's keine Regel gibt, muss das Gefühl entscheiden.

Greetz, Mr. Smith
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  • Beitrag 3. Dez 2004 22:45

modifizierte stifte

ich habe mir die ausführlichen antworten von Mr Smith durchgelesen,
habe aber noch eine wichtige frage:
woran erkenne ich an einem schloss mit zb extremfall 5 pilzkopfstiften (hat die marke edi sehr oft),
welchen stift ich als 1. drücken muss, und folglich als 2., 3., 4., 5.....
ich erkenne das bei normalen gehäusestiften sonst anhand der bindungsreibung
beim rausziehen mit dem haken.
und setze dann den mit der meisten bindungsreibung.
bei modifizierten stiften macht mir das probleme weil die ja alle irgendwie auf kipp wollen.
daher picke ich die mehr durch zufall.
der picker
 

  • Beitrag 6. Dez 2004 01:55

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

Auch bei 5 Pilzkopfstiften fängst Du natürlich bei dem mit der meisten Reibung an, bleibt Dir ja kaum was anderes übrig. Sobald der Kern dann mal kippt, kannst Du anfangen nachzusetzen. Welchen zuerst und welchen zuletzt ist bei jedem einzelnen Zylinder unterschiedlich, das mussst Du eben ausprobieren. Wenn Dir beim Nachsetzen des 4. Stiftes der 2., schon gesetzte, immer wieder zurückspringt, dann setz halt den 4. zuerst und dann erst den 2.
Mr. Smith
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  • Beitrag 6. Dez 2004 11:43

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

aha. also bei pilzköpfen habe ich zwar noch probleme die bindungsreibung zu spüren.
aber bei 5 stiften wäre das wohl kein problem:
ich muss ,wie du sagst, nur darauf achten welche stifte wieder hochkommen und diese bei der pickreihenfolge zuerst einordnen:
also ich drücke den 1. und sitz, 2. und sitzt, 3, und sitzt, aber der 2. kommt wieder hoch,
dann muss die reihenfolge bis dahin 1,3,2 lauten, richtig?
wenns so geht habe ichs verstanden.
der picker
 

  • Beitrag 6. Dez 2004 13:41

Re: ABUS!!! Wie richtig manuell picken!

So würde ich das mal versuchen, ja. Das muss nicht bedeuten, dass es dann immer so funktioniert. Ich habe Zylinder, bei denen es mal in einer und mal in einer anderen Reihenfolge geht. Bei manchen ist die Reihenfolge fast egal, da springen immer welche zurück, da muss man eben dranbleiben - nachsetzen, nachsetzen, nachsetzen bis die Finger schmerzen!
Mr. Smith
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