Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

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Marinopick
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Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von Marinopick »

Da ich seit längerem über das Schlüssel selbst reproduzieren nachgedacht habe und gerade Ferien sind, habe ich mich mal dran gesetzt und überlegt, wie man so eine Kopiermaschine selbst bauen kann.

Eine Spannmöglichkeit mit zwei Fixierungen für Mutterschlüssel und Rohling, sowie eine runde annähernd perfekt gerade Stange als Führungsschiene, auf der das ganze ruht, existieren schon.

Eine Schlüsselabtastung säge und feile ich dann aus einem dickeren Stahlblech.

Und der Fräser als zentrales Element wird dann auf einer passenden Gewindestange mit Muttern befestigt, das es kein Spiel oder Eiern gibt und per Bohrmaschine angetrieben.

Da ich ja nicht Herstellergebunden bin,
habe ich mich mal bei den Fräsern umgesehen und doch erheblich Preisunterschiede festgestellt.

Da gibt es die ganzen Namhaften von Silca, Börkey etc. für etwa 80€, aber auch welche für 25€ von alternativen Herstellern.

Was rechtfertigt einen so hohen Preisunterschied?
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Janvi
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von Janvi »

In meinem Basi Thread siehst du meine selbstgebaute Schlüsselfräse im Video wie sie gerade Zylinderkerne bohrt.
Ist alles nicht ganz soo einfach. Linearführungen sind gehärtet und die Lager hochpräzise. Gewindestangen sind
Kugelrollspindeln und selbst dann ist das mit Spiel und Eiern bzw. Federn der Konstruktion nicht im geringsten
ausgestanden. Drehzahl sollte mindestens 20.000 sein. Eine Kopiermaschine würde ich auch nicht bauen,
denn es gibt freie Linux CNC Software wo du ein kleines Makro schreiben kannst was die Schlüssel nach Code bearbeitet.

Fräser unterscheiden sich in der Standzeit (Vollhartmetall) beim Preis. Als Bastler kannst du das Billigste nehmen
was für Einzelstücke immer noch gut ist.

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boianka
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von boianka »

Ich hätte da noch ein "Projekt", was seit ca. 15 Jahren auf meinen Einsatz wartet . . .
. . . aber Marinopick wäre, zwecks Wiederbelebung, geradezu prädestiniert !
IMG_8392.JPG

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Pickfinger
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von Pickfinger »

boianka hat geschrieben:Ich hätte da noch ein "Projekt", was seit ca. 15 Jahren auf meinen Einsatz wartet . . .
. . . aber Marinopick wäre, zwecks Wiederbelebung, geradezu prädestiniert !
IMG_8392.JPG
Au weia, aber warum nicht.

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boianka
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von boianka »

Pickfinger hat geschrieben:
boianka hat geschrieben:Ich hätte da noch ein "Projekt", was seit ca. 15 Jahren auf meinen Einsatz wartet . . .
. . . aber Marinopick wäre, zwecks Wiederbelebung, geradezu prädestiniert !
IMG_8392.JPG
Au weia, aber warum nicht.
Also ich bin der "Maschine" vor 15 Jahren auf einem Flohmarkt "begegnet" - da sie von einer Wachhündin mit einer (weltfremden) Forderung von 60 € vor einer aktiven Zukunft versucht wurde zu bewahren, fand sie mein mitleidiges Interesse .

Nach konstruktiv penetrant anhaltenden Verhandlungen, gelang es mir sie für 35 € zu erwerben .
Seither fristet sie (angesichts einer Vielzahl aktiver Schlüsselmaschinen) ihr Dasein . - Wartend auf ihren wachküssenden Prinzen (Marinopick ?) . . .

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Marinopick
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von Marinopick »

boianka hat geschrieben:Ich hätte da noch ein "Projekt", was seit ca. 15 Jahren auf meinen Einsatz wartet . . .
. . . aber Marinopick wäre, zwecks Wiederbelebung, geradezu prädestiniert !
IMG_8392.JPG
Ein interessantes Schätzchen ist das!

Wie wurde sie denn angetrieben?

Die Nut im Handrad lässt ja auf einen Riemen schließen.

Wurde sie dann wie eine Nähmaschine mit Fußpedal in Schwung gebracht?

Interessant ist sie ja, nur schätze ich mal, das es hier schwierig sein dürfte, an eine entsprechende Ersatzscheibe zu kommen.

Eine grobe Altersangabe hast du nicht zufällig?
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von Retak »

Ich glaub, Börkey hat sowas mal gebaut, so vor ca. 80 bis 100+ Jahren. Angetrieben wurden die Maschinen damals oft über Riemen von einer Transmissionswelle aus. Diese Welle führte unter der Decke durch den Werkstattraum und war an den Standorten der Maschinen mit Riemenscheiben bestückt. Durch einen Hebel wurde der zur Maschine führende Riemen auf die Scheibe der Welle gedrückt oder von ihr heruntergezogen, so konnte man die Maschinen "ein- oder ausschalten" (die Transmissionswelle lief den ganzen Tag ohne Unterbrechung, sie wurde zentral von einer Dampfmaschine bzw. einem Motor, manchmal auch von einem Wasserrad, angetrieben und lieferte die Antriebsenergie für alle Maschinen innerhalb der Halle).
Man kann nur hoffen, dass die Lager gut geschmiert waren und nicht festgerostet sind. Bezüglich eines Ersatzes für den stumpfgerosteten Fräser sehe ich allerdings schwarz...

southriver
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von southriver »

Moin Moin

so ein Gerät habe ich auch in meinem Büro als Ausstellungsstück stehen.

Jedoch total funktionsfähig und in einen Top Zustand.

Meistens würden diese Maschinen per Handkurbel betätigt, per Riemen ist es auch möglich.
Es gab von Börkey auch das Gegenstück für Chubbschlüssel.

Ich habe in Hamburg noch einen Kunden der solche Maschinen im Einsatz hat und zwar mit dem Motor unterm Tisch und Riemen nach obenauf Maschine.

Ich habe mit meiner Ausstellungsmaschine auch schon Schlüssel per Hand geschnitten, wenn ich keine andere Maschine hier hatte.

Zum Thema Fräser

Zum Schlüsselschneiden ist es von Prinzip egal ob du einen günstigen Gräser oder einen von Silca etc. nimmst.
Es gibt nur Unterschiede in der Standzeit und hier gibt es rapide Unterschiede.
Auch den Unterschied merkst du wenn du Schlüssel aus einen beschissenen Material ( b. B. Chinaimporte ) schneidest.
Hier verschmieren die Markenfräser nicht so schnell.

Gruss aus dem schönsten Bundesland zwischen den Meeren

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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von Christian »

Schlüsselmaschine selbst bauen, die Idee hatte ich auch schon ... prinzip ist es ja kein Hexenwerk. Es gab mal eine Mini-Vorrichtung, die dafür vorgesehen war dass ein Schlüsseldienstmonteur vor Ort mit einer Akku-Bohrmaschine Schlüsselduplikate anfertigen kann. Es waren mehr oder weniger nur Metallklötze die man inneinander verschieben kann ...

Das wichtigste an einer Schlüsselmaschine ist das sie stabil genug ist, so das es nicht "schlabbert" und "rappelt" , und das der Schlüssel präsiese am Fräser geführt wird. Bei der Version mit Gewindestangen muss man dafür sorgen dass diese vernünftig gelagert sind ... usw.

Ich hatte schon Schlüssel auf einer normalen 3-Achsen-Fräse gemacht, was auch geht. Besonders wenn die Schlüssel nach Maß (Code) gemacht werden, aber wenn man mal schnell 5 Kopien machen will ist es eher 'ne Qual. Dafür währ zumindest eine bessere Spannvorrichtung von Nöten. Aber zum Glück habe ich nun ein ältere Schlüsselmaschine, die genau so gute Schlüssel macht wie eine nagel neue Maschine. Muss halt nur gut eingestellt sein und ein scharfer Fräser drauf sein.
Finde immer wieder lustig dass Schlüsseldienst-Leute sich ne neue Maschine für 3000 (o.ä.) kaufen weil sie zu dumm sind ihre Maschine zu justieren.

Fräser ... mal einfaches Gedankenspiel, wenn ich einen für 25 Eur kaufe der nur halb so lang lebt wie einer für 60 Euro, dann ist deieser die bessere Alternative für Deutschland. Ansonsten muss ein Fräser nur fräsen, alles andere ist Job der Maschine bzw. dem Menschen der damit Arbeitet.
(lach) löl
Es gibt nur eine legitime Einstellung

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boianka
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Re: Schlüsselfräse Ersatzfräser Preisunterschied

Beitrag von boianka »

Retak hat geschrieben:Ich glaub, Börkey hat sowas mal gebaut, so vor ca. 80 bis 100+ Jahren. Angetrieben wurden die Maschinen damals oft über Riemen von einer Transmissionswelle aus. Diese Welle führte unter der Decke durch den Werkstattraum und war an den Standorten der Maschinen mit Riemenscheiben bestückt. Durch einen Hebel wurde der zur Maschine führende Riemen auf die Scheibe der Welle gedrückt oder von ihr heruntergezogen, so konnte man die Maschinen "ein- oder ausschalten" (die Transmissionswelle lief den ganzen Tag ohne Unterbrechung, sie wurde zentral von einer Dampfmaschine bzw. einem Motor, manchmal auch von einem Wasserrad, angetrieben und lieferte die Antriebsenergie für alle Maschinen innerhalb der Halle).
Aaalso !
Zunächst einmal ist das ein Handgerät mit Kurbel mit dem man als solches autark, nur mit seiner Muskelkraft, Schlüssel kopieren kann .
Und das ist recht einfach, denn ein Schlüsseldienstkollege (77) erzählte mir, dass er als Volksschüler damit sein Taschengeld aufgebessert hat .
Er besitzt die Maschine immer noch und die ist auch perfekt in Schuss !

Börkey hat aber bereits vorgesehen, dass man die Maschine mittels eines Rundriemen, ähnlich einer Nähmaschine über Fußpedal-, oder Motorantrieb, betreiben kann .

Hier ein etwas späteres Modell, auf dessen Tisch noch zwei, ursprünglich montierte, Geräte fehlen :
Einmal rechts eine Chubbschlüsselfräsmaschine (müsste ich auch noch bei einem Bekannten liegen haben) und in der Mitte einen speziellen Schraubstock für die Schlüsselbearbeitung

Retak hat geschrieben:Man kann nur hoffen, dass die Lager gut geschmiert waren und nicht festgerostet sind.
Eine interessante Frage .
Gestern Abend, nachdem ich das Gerät "ausgegraben" und fotografiert hatte, ließ sich überhaupt nichts bewegen .
Eben habe ich es (nur die Bodenplatte) einfach mal im Schraubstock eingespannt, einmal WD50 rundum geduscht, in den Schmierschacht oberhalb der Spindel reichlich davon, mit dem Heißluftföhn erwärmt bis das WD50 verdampft, zweimal wiederholt und die Kurbel lässt sich ganz leicht drehen . . .
Im kalten Zustand ist der Kurbelwiderstand etwas höher, also müsste die Spindel entfernt, von alten Fettresten befreit und neueingefettet wieder eingebaut werden .
Der Schlitten läuft spielfrei von links nach rechts und zurück und lässt sich auch ganz einfach anheben .
Die Spannbacken klemmen gut und auch der Anschlag lässt sich normal einfach hochklappen .
Retak hat geschrieben:Bezüglich eines Ersatzes für den stumpfgerosteten Fräser sehe ich allerdings schwarz...
Den Fräser habe ich an eine Drahtbürste gehalten und damit grob entrostet .
Montiert und ausprobiert . - Ich war überrascht - er geht noch ! - Wahrscheinlich weil er anders aufgebaut ist, als die modernen Fräser, die für das Abwälzverfahren schnell laufender Maschinen konzipiert sind .
Dieser Fräser ist eher eine "Endlos-Feile" mit geradem Hieb in V-Form .
Ich wäre nicht überrascht, wenn es solche Fräser doch noch irgendwo gäbe . . .

Ich halte es für möglich, dass man diese Maschine auch auf die aktuellen Fräser umrüsten kann, denn wenn man sie mit einem E-Motor betreibt, hätte man die nötige Drehzahl - die gängigen Fräser sind zwar etwas grösser, würden aber in den Rahmen passen, in deren Bohrung eine Reduzierhülse und dann braucht nur noch der Taster angepasst werden .

Übrigens braucht Marinopick keine neuen Fräser ! - Mit einem gebrauchten wird er wahrscheinlich noch ein Leben lang arbeiten können . . .

Schlüsselkopierer, die einen hohen Durchsatz haben, schmeißen die Fräser frühzeitig raus, weil leicht stumpfe Fräser mehr Grat erzeugen und der muss dann wieder, mühselig, entfernt werden - Zeit ist Geld und ein Markenfräser kostet heute nen Fuffi !

Noch watt !
Das Gegenstück (Handkurbel betriebene Schlüsselmaschine) gab es noch vor wenigen Jahren von SILCA (Italy) .

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