Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

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PaulW23
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Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von PaulW23 »

Gerstern wurde im RBB eine Sondersendung wegen des Anschlags auf das Berliner Stromnetz gesendet:

https://www.ardmediathek.de/video/rbb24 ... GljYXRpb24

Ab Minute 14 wurde auch auf das Goerzwerk (Goerzallee 299) eingegangen. An diesem Standort befindet sich eine Produktionsstätte von ASSA ABLOY, es sind aber auch Räumlichkeiten an kleinere Gewerbetreibende vermietet.

Standesgemäß scheint vor Ort eine Schließanlage vom Typ Ikon eCliq eingebaut zu sein.
Jetzt würde man ja eigentlich denken, dass ein Stromausfall keine Auswirkungen auf das System hat, weil die Energie für die Schließvorgänge bei diesem System aus einer Batterie im Schlüssel geliefert wird.

Die Schlüssel müssen aber bei dieser Anlage, wie erklärt wird, regelmäßig an einem Wandprogrammiergerät validiert werden. Das macht ja auch grundätzlich Sinn, weil so verlorene oder entwendete Schlüssel innerehalb kürzerer Zeit von selbst ungültig werden. Diese Programmiergeräte hängen am Netzwerk und benötigen auch selbst eine Stromversorgung. Verständlicherweise wird selbst, wenn eine unterbrechungsfeie Stromversorgung vorhanden ist, diese nach einigen Stunden zuneige gehen. In dem gezeigten Fall ist bei dem Mieter nach seinem Urlaub die Schlüsselgültigkeit abgelaufen und er kommt daher nicht mehr in seine Räumlichkeiten.

Je nachdem wie lange der Zeitraum bis zu einer erneuten Validierung gewählt ist, könnte ich mir vorstellen, dass nach einem Wochenende oder den Weihnachtsferien die Situation eintreten kann, dass alle vorhandenen Schlüssel ungültig geworden sind. Wenn es dann zu einem Stromausfall dieser Größenordnung kommt, wären alle aus dem eigenen Gebäude ausgesperrt :confused:

Das hat mich nachdenklich gemacht. Ein Schlüssel mit dauerhafter Gültigkeit für den Gebäudeverantwortlichen würde diese Problem lösen. Aber was wäre, wenn der Adminsitrator durch ein Versehen sämtliche Schlüssel ab einem bestimmten Zeitpunkt sperrt oder gar ein Hackerangriff erfolgt und die Hacker durch Sperren der Physikalischen Zugänge zum Gebäude /Serverraum eine Intervention verhindern?
Gerade auch vor dem Hintergrund, dass solche elektronischen Systeme zunehmend auch in der Stromversorgungs- und Telekommunikationsinfrastruktur Einsatz finden.

Diese Unzulänglichkeiten haben mich wieder in meiner Meinung bestärkt, dass eine sauber gepflegte mechanische Schließanlage (zumindest für die technischen Bereiche) immer noch ihre Daseinsberechtigung hat.
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Retak
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von Retak »

Hab den Beitrag auch gesehen. Tja, da hat man sich mit der E- Schliessanlage ein Eigentor geschossen. Eine derartige Abhängigkeit von äusserer Infrastruktur, wie beispielsweise einer Stromversorgung oder auch externen Servern kann fatal sein, wenn es keine mechanische Rückfallebene gibt. Normalerweise müsste im FSD allerdings ein Not-GHS vorhanden sein, dessen Gültigkeit nicht abläuft, der in Gefahrensituationen also immer einsatzbereit ist. In der derzeitigen Situation bleibt wohl nur, bei Gefahr die Feuerwehr, ansonsten einen Schlüsseldienst zu rufen.
Vom Goerzwerk ist ja nur noch das (inzwischen wohl in den Händen von Spekulanten befindliche) Gebäude übrig, aber Ikon, der Hersteller dieser Anlage, ist da ja noch Mieter, vielleicht findet man dort ja eine Möglichkeit, das eigene Produkt zu überlisten (sofern die sich nicht selber auch ausgesperrt haben).
Dieser Ganze "Smart home" Quatsch wird jetzt auch wohl einigen auf die Füße fallen. Hoffen wir mal, dass man es möglichst bald schafft, die Stromversorgung wieder herzustellen und dass man dieser Terroristen endlich habhaft wird. Ausserdem sollte man nun endlich mal die Notwendigkeit einsehen, das Stromnetz komplett in die Erde zu legen und an solch neuralgischen Punkten schnellstmöglich damit zu beginnen. Dies ist die einzige Möglicheit, das Netz wirklich effektiv zu schützen.
worgan
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von worgan »

Üblicherweise sollten alle Stromnetzbereiche von mindestens zwei Versorgungslinien aus versorgt werden können. Warum das dort nicht möglich ist, weiß ich nicht.

Das Validierungsterminal allein könnte eventuell mit gebastelter Stromversorgung betrieben werden, aber der Netzwerkzugang für den Zeitserver und die Daten fehlt dann noch. Mit einem Mobilgerät lässt sich das kaum machen, weil ein solcher Zugang anständigerweise über Firewallregeln blockiert ist.
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von Retak »

Ja, normalerweise sollte es so sein, dass es noch alternative Wege für die Stromversorgung gibt, sollte eine Leitung ausfallen (sowas kann ja auch durch einen technischen Defekt, gerade bei den zum Teil uralten Leitungen in Berlin passieren). Dass es in Berlin nicht überall so ist, ist möglicherweise immer noch eine Folge der jahrzehntelangen völligen Teilung der Stadt, im Zuge des Mauerbaus wurden ja fast alle Leitungen zwischen Ost und West gekappt. Die Wiederherstellung und "Härtung" des gesamtstädtischen Stromnetzes in der Mittel- und Hochspannungsebene wurde offenbar seit der Wiedervereinigung bis zum heutigen Tag sträflich vernachlässigt. Diese Terrorgruppe scheint auch diese Schwachstellen im Netz sehr genau zu kennen, beim Anschlag vor ein paar Monaten im Südosten wars ja auch so, dass schnelles Umschalten auf eine alternative Stromtrasse nicht möglich war, da es keine gab.
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von Piel »

Ich habe eine USV (Line Interactive) für meine PCs, und im absoluten Notfall auch einen Generator, einen Gaskocher mit ausreichend Kartuschen sowie Kerzen. Aber über solche Situationen macht man sich halt oft erst Gedanken wenn es zu spät ist. So ähnlich wie beim Thema Datensicherung, ein Thema was leider auch sehr oft sträflich vernachlässigt wird. Und wenn dann die Festplatte hinüber ist wird geweint weil alle wichtigen Unterlagen und Familienfotos darauf lagen. Ist gar nicht so lange her dass ich bei einem Bekannten eine Datenrettung durchführen musste.

Strom, fließendes Wasser, Heizung, Tanken an der Zapfsäule, Mobilfunknetz, Festnetz, einkaufen im Supermarkt... dass ist alles für uns so selbstverständlich geworden dass wir uns keine Gedanken darum machen was passiert sollte eines oder sogar mehrere dieser Dinge nicht mehr funktionieren.
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von wisi »

Ich kenne dazu auch eine wahre Geschichte, die eine Firma fast Ihre Existenz gekostet hätte:
Ein Admin macht einen Fehler, deshalb fällt das ganze Netzwerk aus (Falscher Eintrag in der Routingtabelle, der dummerweise alles ins Nirwana schickt - die hätte der letzte Eintag sein müssen, er hatte dummerweise es als ersten gesetzt).
Nun ist das zwar doof, aber eigentlich wieder bereinigbar - man muss per (serieller Console - für die die sowas kennen) Kabel direkt an die "Core-Swtiche". Aber: Das Zugangssystem war selbst Teil des Netzwerkes, darüber kam man also dort nicht per hin. Für den Ausfall hatte man zwei (Elektronische) Notfallschlüssel geplant - der eine war defekt. Der zweite hätte bei einem Mitarbeiter sein sollen, der war aber bei einem Unfall ums Leben gekommen. Diesen Schlüssel hat man nie gefunden. Dann viel noch auf, dass im Notfalltrresor für die Feuerwehr auch einer sein sollte - den hat man mit der Feuerwehr auch bergen können. Aber - das Feuerwehrdepot war undicht, die Schlüssel alle angerostet und der elektrische Schlüssel natürlich auch unbrauchbar. Also blieb nur: Rechenzentren (zwei Stück) gewaltsam öffnen. Dummerweise waren die Türen wirklich gut gemacht. Nach drei Tagen war man drin - wobei die Entscheidung zu knacken wohl auch erst spät gefällt wurde.
Ist noch gar nicht lange her.
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Retak
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von Retak »

Ja, so kanns gehen. Die Moral von der Geschicht: Mechanische Notschliessungen sind keine Option, sondern ein Muss, ansonsten siehe oben! Sich den Bits und Chips bzw. dubioser Software völlig auszuliefern, geht früher oder später nach hinten los.
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remuc
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Re: Tücken elektronischer Schließanlagen bei Stromausfall

Beitrag von remuc »

PaulW23 hat geschrieben: 5. Jan 2026 11:51 Gerade auch vor dem Hintergrund, dass solche elektronischen Systeme zunehmend auch in der Stromversorgungs- und Telekommunikationsinfrastruktur Einsatz finden.
Gerade bei Strom- und Kommunikationsversorgern die unter NIS und KRISIS fallen sind redudante "Netzunabhängige" Systeme eigentlich gefordert. In wie weit das unter den Umständen eines tagelangen Stromausfalls aufrechterhalten werden kann, steht in den entsprechenden Vorschriften und ist abghängig von mehreren Faktoren.
"Hakuna Matata"
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